{"id":89,"date":"2021-08-24T15:40:52","date_gmt":"2021-08-24T13:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/?p=89"},"modified":"2021-09-03T10:52:36","modified_gmt":"2021-09-03T08:52:36","slug":"10-april-1866-berlin-die-rumaenische-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/archive\/89","title":{"rendered":"10. April 1866, Berlin: Die Rum\u00e4nische Frage"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>10. April 1866, Berlin: Die Rum\u00e4nische Frage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus einem Brief des Prinzen Karl von Hohenzollern-Sigmaringen aus Berlin am 10. April 1866, gesendet an seinen Vater F\u00fcrst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen nach D\u00fcsseldorf<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>(Prinz Karl war zu jener Zeit zum Rittmeister <em>\u00e0 la suite <\/em>beim 2. Gardedragoner-Regiment in Berlin ernannt worden, ohne aber ein eigenes Regiment zu bekommen).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>\u201eMein teuerster lieber Papa! [\u2026] Der gestrige Vormittag verging mit zahllosen Meldungen. Prinz Friedrich Carl&nbsp;empfing mich u. fing merkw\u00fcrdiger Weise sofort an eingehend \u00fcber die Rum\u00e4nische Frage zu sprechen, er schien ganz <em>au fait<\/em> der Angelegenheit zu sein (es ist nur m\u00f6glich durch Bismarck&nbsp;u. Rauch) u. meinte ich w\u00e4re zu etwas Besserem da, als tribut\u00e4ren F\u00fcrstent\u00fcmern vorzustehen, er rate mir die Sache abzulehnen; ich stellte mich ganz unbefangen u. sagte ihm, die Sache w\u00e4re noch so wenig reif, dass vorl\u00e4ufig von Annehmen od. Ablehnen nicht die Rede sein k\u00f6nne, au\u00dferdem st\u00fcnde der Krieg vor der T\u00fcre, wodurch die Frage in den Hintergrund gedr\u00e4ngt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:38% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"719\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/karl-dragoneroffizier-1866-719x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-91 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/karl-dragoneroffizier-1866-719x1024.jpg 719w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/karl-dragoneroffizier-1866-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/karl-dragoneroffizier-1866-768x1094.jpg 768w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/karl-dragoneroffizier-1866-1078x1536.jpg 1078w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/karl-dragoneroffizier-1866.jpg 1419w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefzit-carol-18660410.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-92\" width=\"470\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefzit-carol-18660410.jpg 1023w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefzit-carol-18660410-300x233.jpg 300w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefzit-carol-18660410-768x595.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Heute um 11 Uhr meldete ich mich mit einer ganzen Anzahl von Offizieren beim K\u00f6nige, er war wie gew\u00f6hnlich sehr gn\u00e4dig, gab mir die Hand u. frug ob Du in D\u00fcsseldorf w\u00e4rest, ich sagte ihm, dass Du vorl\u00e4ufig gar nicht die Absicht h\u00e4ttest von da wegzugehen, \u00fcber meine milit\u00e4rische Stellung sagte er kein Wort, dagegen hatte ich gestern eine lange Unterredung dar\u00fcber mit Oberst Rhaden, der mir erkl\u00e4rte, er sehe nicht ab, wann ich im Regimente eine Eskadron \u00fcbernehmen k\u00f6nnte, vorl\u00e4ufig m\u00fcsste ich mir gefallen lassen nur dem Zuge zu reiten, ich sagte ihm, dass mir dieses \u00e4u\u00dferst peinlich w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Meldung beim K\u00f6nige fuhr ich zum Kronprinzen, der mich ungemein liebensw\u00fcrdig und verwandtschaftlich empfing.\u2013 Zuerst sprach er \u00fcber mein Avancement, wobei er genau dieselben Ansichten entwickelte, wie die, die ich Dir dar\u00fcber in D\u00fcsseldorf mittheilte, sagte aber ich sollte mir keinen Kummer dar\u00fcber machen, es trete in diesen Momenten eine viel wichtigere Frage wie diese an mich heran.\u2013 Er sprach nun sehr eingehend \u00fcber bewusste Angelegenheit, welcher er keineswegs abgeneigt schien, nur eines war ihm st\u00f6rend, dass die Sache von Frankreich aus angeregt u. angetragen war, denn wie er sagte, w\u00fcrde Frankreich seiner Zeit f\u00fcr diesen Dienst, den es dem preu\u00df. Hofe geleistet, irgendeine Entsch\u00e4digung an Land verlangen. Ich erwiderte, dass der Kaiser [Napoleon III.]&nbsp;niemals an eine derartige Kompensation denken w\u00fcrde u. der Antrag mehr von verwandtschaftlichen als irgend eigenn\u00fctzigen R\u00fccksichten gleitet w\u00e4re.\u2013 Sehr ehrenvoll u. schmeichelhaft findet der Kronprinz, dass man einem Mitglied des Hauses Hohenzollern eine solche Aufgabe stellt. Dein Memoire hat er mit gro\u00dfem Interesse gelesen.\u2013 Morgen bin ich zum Fr\u00fchst\u00fccke eingeladen, um \u00fcber die Sache eingehender zu sprechen.\u2013 Ich sagte dem Kronprinzen dass Friedrich Carl&nbsp;&nbsp;in der Sache auch orientiert w\u00e4re, was ihn sehr wunderte, ich meinte, dass die Partei, die gegen uns, \u00fcber die ganze Angelegenheit im Ungewissen gehalten werden m\u00fcsse, sonst arbeitet sie dagegen etc. Der Kronprinz pflichtete demselben ganz bei. Du wirst sagen, lieber Papa, mit der Partei w\u00e4re es nicht weit her u. dgl.en. Ich will Dir dagegen ein Factum anf\u00fchren, ich wei\u00df nicht, ob ich es Dir erz\u00e4hlen soll; der Kronprinz hat es mir in Folge meiner \u00c4u\u00dferung \u00fcber Parteien erz\u00e4hlt.\u2013 Vor einigen Tagen war ein gro\u00dfes Diner beim Minister Eulenburg, es wurde \u00fcber Politik etc. Ausgleichung des Preu\u00df. Oestr. Streites etc. gesprochen. Der Ober-Pr\u00e4sident S\u2026 v. P\u2026 (Pommern)&nbsp;\u00e4u\u00dferte, man k\u00f6nnte ja die Hohenzoll\u2019rischen F\u00fcrstent\u00fcmer an \u00d6sterreich abtreten, dann w\u00e4re da der F\u00fcrst gleichzeitig f\u00fcr seine liberalen Gesinnungen bestraft.\u2013 Ich kenne diesen dummen Kerl nicht, aber ich finde dieses eine solche Frechheit, dass ich um Deine Genehmigung bitte, nachdem ich auch vorher mit dem Kronprinzen R\u00fccksprache genommen, dem S\u2026 v. P\u2026 auf die Bude zu r\u00fccken u. ihn entweder aufzufordern diese \u00c4u\u00dferung in Gegenwart der G\u00e4ste vom Minister E[ulenburg]&nbsp;zur\u00fcckzunehmen, widrigen Falls ihn zu fordern.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die politische Situation kann ich Dir gar nichts mittheilen, der Kronprinz&nbsp;meint es s\u00e4he sehr kriegerisch aus, ehe es aber dazu k\u00e4me, w\u00fcrden noch einige Male Noten gewechselt werden. Der preu\u00df. Antrag vom Bunde kann von gro\u00dfer Tragweite sein. Den Ernst der Situation hat man hier gar nicht erfasst, man lebt weiter in Saus u. Braus, es sollen noch B\u00e4lle sein, unter andern bei Bismarck. Neben den Kriegs-R\u00fcstungen werden die Man\u00f6ver-R\u00fcstungen betrieben. Es werden n\u00e4mlich bereits schon die Anordnungen u. Bestimmungen zum Kriegsman\u00f6ver (I u. II Korps) getroffen, die von gro\u00dfem Umfange sein sollen.\u2013 Es ist hier unausstehlich die Leute \u00fcber Politik sprechen zu h\u00f6ren, die meisten verstehen gar nicht worum es sich handelt.\u2013 Die Erbitterung auf \u00d6sterreich ist gro\u00df. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>Indem ich Dir, teuerster Papa, respektsvoll die H\u00e4nde k\u00fcsse u. Fritz&nbsp;umarme, bittet bald um einige Zeilen Dein ganz gehorsamer Sohn Carl<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Briefquelle: Rum\u00e4nisches Nationalarchiv Bukarest (Transkription des Zitats hier mit Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung).<\/p>\n\n\n\n<p>Briefedition (in diplomatischer Transkription) in Vorbereitung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeliebter Vater und treuster Freund. Der Briefwechsel des K\u00f6nigspaares Carol I. und Elisabeth von Rum\u00e4nien mit F\u00fcrst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen aus dem Rum\u00e4nischen Nationalarchiv in Bukarest (1866-1885)\u201c. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben, kommentiert und eingeleitet von Silvia Irina Zimmermann.<\/p>\n\n\n\n<p>Teilband I: 1866-1876. Anfangsjahre des F\u00fcrsten Carol I. in Rum\u00e4nien.<\/p>\n\n\n\n<p>Teilband II: 1877-1885. Unabh\u00e4ngigkeit Rum\u00e4niens und Erhebung zum K\u00f6nigreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva \u2013 F\u00fcrstlich Wiedisches Archiv, Ibidem-Verlag (Stuttgart), 2 B\u00e4nde zus. ca. 950 Seiten, erscheint voraussichtlich Ende 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Link zum Editionsprojekt: <a href=\"https:\/\/www.carmensylva-fwa.de\/publ\/fscsfwa-briefedition2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.carmensylva-fwa.de\/publ\/fscsfwa-briefedition2.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 1: Prinz Karl als Premier-Leutnant im 2. Garde-Dragoner-Regiment (1863).<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 2: Zum Vergleich der verk\u00fcrzt abgedruckte Brief in: \u201eAus dem Leben K\u00f6nig Karls von Rum\u00e4nien. Aufzeichnungen eines Augenzeugen\u201c, Stuttgart: Cotta, 4 B\u00e4nde, 1894-1900, hier: Band 1.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Artikel &amp; Bilder: Silvia Irina Zimmermann<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10. April 1866, Berlin: Die Rum\u00e4nische Frage Aus einem Brief des Prinzen Karl von Hohenzollern-Sigmaringen aus Berlin am 10. April 1866, gesendet an seinen Vater F\u00fcrst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen nach D\u00fcsseldorf: (Prinz Karl war zu jener Zeit zum Rittmeister \u00e0 la suite beim 2. Gardedragoner-Regiment in Berlin ernannt worden, ohne aber ein eigenes Regiment &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/archive\/89\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;10. 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