{"id":121,"date":"2021-08-25T12:05:53","date_gmt":"2021-08-25T10:05:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/?p=121"},"modified":"2021-09-03T10:52:31","modified_gmt":"2021-09-03T08:52:31","slug":"juni-1873-ein-reisebericht-des-fuersten-carol-als-inspirationsquelle-fuer-carmen-sylva","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/archive\/121","title":{"rendered":"9. Juni 1873, Leordeni: ein Reisebericht des F\u00fcrsten Carol als Inspirationsquelle f\u00fcr Carmen Sylva"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>9. Juni 1873, Leordeni: ein Reisebericht des F\u00fcrsten Carol als Inspirationsquelle f\u00fcr Carmen Sylva<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einige Abschnitte aus einem Brief aus Leordeni verfa\u00dft am 9. Juni 1873, als K\u00f6nig Carol (damals noch F\u00fcrst von Rum\u00e4nien) auf dem Gut der Familie Kretzulescu verweilte \u2013 Brief aus dem wir auch von einem Besuch im Str\u00e4flings-Bergwerk in Ocna Mare erfahren, sowie \u00fcber die Lebensbedingungen der Gefangenen von dort, was Elisabeth als Inspirationsquelle f\u00fcr die Geschichte \u201eNeaga\u201c verwendet, die sie 1885\/1887 in dem Band \u201eDurch die Jahrhunderte\u201c unter ihrem Schriftstellernamen Carmen Sylva ver\u00f6ffentlicht:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBei gro\u00dfer Hitze fuhren wir um 8 Uhr von Tirgu Jiu ab, zwei Bergketten mussten wir \u00fcberschreiten um den Distrikt von Rimnicul Vilcei zu erreichen; erst Abends sechs Uhr gelangten wir im Kloster Horezu an, wo ich von den Herrn Lahovary&nbsp;Vater und Sohn, E. Grec\u00e9no&nbsp;usw. erwartet wurde, die Nonnen empfingen mich mit Gesang und geleiteten mich an die hellerleuchtete Kirche. Den Abend verbrachten wir sehr angenehm, zuerst sa\u00dfen wir lange auf der sch\u00f6nen Terrasse und machten dann einen Rundgang in dem enormen Kloster, das einsam und verlassen in einem Wald-Tale liegt. [\u2026] Horezu lie\u00dfe sich in ein wahres Feenschloss im mittelalterlichen Style umwandeln, an sechzig Zimmer alle hoch und ger\u00e4umig k\u00f6nnten als angenehme Wohn-R\u00e4ume eingerichtet werden. [\u2026] Ich war froh wie des Morgens der erste Sonnenstrahl auf mein Bett schien und wie ich aus dem ernsten Waldthale in das liebliche Wiesenthal der Bistritza kam, durch welches ich des Morgens um acht Uhr ritt, um nach dem Kloster Bistritza hinabzusteigen. Um 9 Uhr langte ich dort an und besuchte gleich die sch\u00f6ne Felsenschlucht, in der die Wasserf\u00e4lle brausend und sch\u00e4umend hinabst\u00fcrzten. Nach einem zweist\u00fcndigen Aufenthalt, w\u00e4hrend welchem wir im gro\u00dfen Saale dejeunierten, setzten wir die Reise auf sehr schlechten Wegen fort und erreichten um f\u00fcnf Uhr abends die Salinen von <em>Ocna<\/em> <em>mare<\/em>. Auf 450 Stufen stiegen wir in die gro\u00dfen Salzhallen hinab, die gl\u00e4nzend erleuchtet waren, es brannten an 10.000 Kerzen, 400 Gefangene jeder ein Licht in der Hand waren aufgestellt und begleiteten mich auf meinem Rundgange, das Geklirre ihrer Ketten widerhallte unheimlich in den enormen Hallen und ehe ich dieselben verlie\u00df warfen sich die Ungl\u00fccklichen auf die Knie um die Begnadigung zu erflehen. Das sind schwierige Momente f\u00fcr jemanden der das Recht zu begnadigen hat und darf dabei nicht das Herz allein sprechen, denn man hat es mit schweren Verbrechern zu tun. Trotzdem begnadigte ich 12 Str\u00e4flinge und reduzierte von 24 die lebensl\u00e4ngliche Haft auf zwanzig Jahre. Unter den Begnadigten befanden sich auch zwei, welche einige Augenblicke vorher mein Leben in der Hand hatten, ich fuhr n\u00e4mlich in einem Korb aus dem Schacht heraus, der von zwei Str\u00e4flingen hinaufgewunden wurde [\u2026]. Abends 7 \u00bd Uhr kam ich nach Rimnicu, wo mir ein gl\u00e4nzender Empfang gemacht wurde; viele tausende von Menschen waren an der Barriere und empfingen mich mit Hurras, nach den Reden bestieg ich einen Gala-Wagen und der Zug bewegte sich langsam nach der Episkopie, die Stra\u00dfen und H\u00e4user waren mit Fahnen, Teppichen und unseren Portraits dekoriert, zahllose Blumen-Bouquets wurden mir in den Wagen geworfen. Abends beim Diner brachte A. Lahovary&nbsp;einen sehr sch\u00f6nen Toast aus, in dem er hervorhob, dass jedes Mal wenn ich nach Rimnicu kam, die Stadt und der Distrikt einen materiellen Fortschritt gemacht: das erste Mal lie\u00df ich eine Br\u00fccke auf dem Lotru bauen, sp\u00e4ter ordnete ich die Stra\u00dfe nach Draga\u015fani an, die heute vollendet ist u. mein jetziger Besuch wird durch die Erbauung der steinernen Br\u00fccke auf dem Olt-Fluss markiert werden. In meiner Antwort hob ich hervor, dass heute Stra\u00dfen und Br\u00fccken nicht allein gen\u00fcgen einer Gegend Leben zu geben und ihr einen ungest\u00f6rten Handel zu sichern, heutzutage wird nicht nur auf eine sichere, sondern auch auf eine rasche Bef\u00f6rderung gesehen und diese Bedingung k\u00f6nnen nur die Eisenbahnen erf\u00fcllen, ich hege daher den aufrichtigen Wunsch bald einen Schienen-Weg durchs Olt-Tal nach Hermannstadt zu sehen etc. Mit einem endlosen Enthusiasmus wurden meine Worte begr\u00fc\u00dft und alle sagten: \u201eWenn Ihre Hoheit es w\u00fcnscht, wird es passieren\u201c; ich konnte nicht unterlassen zu antworten, dass ich gewollt, aber die Herrn Deputierten dagegen waren und nichts von den Verbindungen h\u00f6ren wollten, es sa\u00dfen sechs am Tische die protestierten dagegen und versprachen in der n\u00e4chsten Session f\u00fcr die Eisenbahnen einzutreten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Briefquelle: Rum\u00e4nisches Nationalarchiv Bukarest (Transkription des Zitats hier mit Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung).<\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00f6ffentlichte Briefedition (in diplomatischer Transkription):<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8222;In z\u00e4rtlicher Liebe Deine Elisabeth&#8220; &#8211; &#8222;Stets Dein treuer Carl&#8220;<\/em>. Der Briefwechsel Elisabeths zu Wied (Carmen Sylva) mit ihrem Gemahl Carol I. von Rum\u00e4nien aus dem Rum\u00e4nischen Nationalarchiv in Bukarest. 1869-1913.<\/strong> Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben, kommentiert und eingeleitet von Silvia Irina Zimmermann. [Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva &#8211; F\u00fcrstlich Wiedisches Archiv, Band 6 und 7], 2 Teilb\u00e4nde, insgesamt 952 Seiten, 66 schwarz-wei\u00dfe und 14 farbige Abbildungen, Stuttgart: ibidem-Verlag, 2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Details zum Editionsprojekt:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.carmensylva-fwa.de\/publ\/fscsfwa-briefedition.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.carmensylva-fwa.de\/publ\/fscsfwa-briefedition.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Details zur Briefedition auf Seite des Ibidem Verlags:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.ibidem.eu\/de\/reihen\/geschichte\/schriftenreihe-der-forschungsstelle-carmen-sylva-fuerstlich-wiedisches-archiv\/briefe-koenigin-elisabeths-an-koenig-carol-i-aus-dem-rumaenischen-staatsarchiv-9783838212210.html\">https:\/\/www.ibidem.eu\/de\/reihen\/geschichte\/schriftenreihe-der-forschungsstelle-carmen-sylva-fuerstlich-wiedisches-archiv\/briefe-koenigin-elisabeths-an-koenig-carol-i-aus-dem-rumaenischen-staatsarchiv-9783838212210.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefe-koenigspaar01-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-122\" srcset=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefe-koenigspaar01-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefe-koenigspaar01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefe-koenigspaar01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/regat\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/briefe-koenigspaar01.jpg 1418w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. 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