{"id":201,"date":"2021-02-24T11:51:18","date_gmt":"2021-02-24T10:51:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/?p=201"},"modified":"2021-09-03T10:49:43","modified_gmt":"2021-09-03T08:49:43","slug":"kindheit-schloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/archive\/201","title":{"rendered":"Silvia Irina Zimmermann: Kindheit und Erziehung im Schloss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Silvia Irina Zimmermann: Kindheit und Erziehung im Schloss<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Altersblick in den Erinnerungen von Carmen Sylva, Marie von Ebner-Eschenbach und Lily Braun<\/strong><strong>. Zum 100. Todesjahr der Schriftstellerinnen 2016<\/strong><\/p>\n<p>(Auszug)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sich im Alter an die Kindheit zu erinnern sei wie Heimweh haben, behauptet der Ged\u00e4chtnisforscher Drouwe Draaisma, und offenbar liegt ein Zusammenhang zwischen dem Wunsch, seine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben, mit einem bestimmten Alter zusammen. In seinem Buch \u00fcber das Ged\u00e4chtnis im Alter, \u201eDie Heimwehfabrik\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a>, zeigt Draaisma, dass Kindheitserinnerungen vor allem im Alter von etwa 70 Jahren pl\u00f6tzlich wieder auftauchen. Dies passiert zu einem Zeitpunkt, an dem das Ged\u00e4chtnis an neuere Erlebnisse nachl\u00e4sst, und dagegen die fr\u00fchesten Erlebnisse, an die man sich jahrzehntelang vorher nicht erinnert hat, mit neuer Intensit\u00e4t zur\u00fcckkommen. Dabei bewirkt dieser \u201eReminiszenzeffekt\u201c, wie die R\u00fcckkehr alter Erinnerungen in der Fachsprache der Psychologie genannt wird, dass auch ungewollte Erinnerungen an die Kindheit wieder erwachen, denn auch die schmerzlichen Erfahrungen von fr\u00fcher kehren mit derselben Intensit\u00e4t zur\u00fcck, so dass man den Kindheitsschmerz von ehemals emotional ein zweites Mal erlebt.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Bei den Schriftstellerinnen Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), Carmen Sylva (1843-1916) und Lily Braun (1856-1916), deren Todesjahr sich 2016 zum hundertsten Mal j\u00e4hrt, kann man auch von einem Reminiszenzeffekt in ihren ver\u00f6ffentlichten Kindheitserinnerungen sprechen. Insbesondere ist dies bei den zwei \u00c4lteren festzustellen: Carmen Sylva beginnt mit 60 Jahren ihre Erinnerungen an die in Neuwied verbrachte Kindheits- und Jugendzeit zu schreiben und sie ist 65 Jahre alt beim Erscheinen ihres Bandes \u201eMein Penatenwinkel\u201c (1908); Ebner-Eschenbach ist 76 Jahre alt bei der Erstauflage ihrer biographischen Skizzen \u201eMeine Kinderjahre\u201c (1906); nur die j\u00fcngere Lily Braun ist erst 43 Jahre alt, als sie ihre als Roman bezeichneten \u201eMemoiren einer Sozialistin\u201c (1909) verfasst und in dem ersten Band \u201eLehrjahre\u201c ihre Kindheit und Jugendjahre erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong> <a href=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kindheit-schloss.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-205\" src=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kindheit-schloss-1024x692.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"692\" srcset=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kindheit-schloss-1024x692.jpg 1024w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kindheit-schloss-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kindheit-schloss-768x519.jpg 768w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kindheit-schloss.jpg 1361w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Marie von Ebner-Eschenbach<\/strong> stammt aus dem b\u00f6hmisch-katholischen Adelsgeschlecht Dubsky-T\u0159ebomyslyc. Sie wurde am 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz, der elterlichen Herrschaft in M\u00e4hren (einer Markgrafschaft des Kaisertums \u00d6sterreich<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a>) geboren, als Tochter des Majors Franz Freiherr von Dubsky und seiner zweiten Frau Marie, geborene Freiin von Vockel, (einem geadeltem s\u00e4chsischen-protestantischen Juristengeschlecht). Die Mutter starb kurze Zeit nach der Geburt Maries. Zu ihrer ersten Stiefmutter, Eugenie Freiin von Bartenstein, hatte Marie bis zu ihrem siebten Lebensjahr ein inniges Verh\u00e4ltnis, als diese ebenfalls verstarb. Der Vater heiratete erneut, und auch zur zweiten Stiefmutter Maries, Xaverine Gr\u00e4fin von Kolowrat-Krakowsky, entwickelte sich ein gutes Verh\u00e4ltnis. W\u00e4hrend der Wintermonate, die die Familie in Wien verbrachte, nahm die Stiefmutter die beiden T\u00f6chter, Marie und Franziska, zu den Theatervorstellungen am Wiener Burgtheater mit, so wie dies auch im Band \u201eMeine Kinderjahre\u201c erz\u00e4hlt wird. Eine weitere wichtige Bezugsperson Maries ist die Gro\u00dfmutter m\u00fctterlicherseits, die zwar die dichterische T\u00e4tigkeit ihrer Enkelin ablehnt, aber nach ihrem Tod ihre umfangreiche Bibliothek den Enkelinnen vermacht. Neben dem Zugang zum Theater (aufgrund der Theaterliebe der zweiten Stiefmutter) und zur klassischen deutschen, englischen und franz\u00f6sischen Literatur (insbesondere durch die Bibliothek der Gro\u00dfmutter) war die Erziehung Maries vor allem durch mehrere deutsche und franz\u00f6sische Gouvernanten gepr\u00e4gt. Vom tschechisch-slowakischen Dienstpersonal und besonders von ihrer Amme Ani\u00adscha lernte Marie Tschechisch und h\u00f6rte mit Begeisterung zu, wenn diese M\u00e4rchen erz\u00e4hlte. Lesen, Schreiben, Rechnen, das Erlernen und Beherrschen der franz\u00f6sischen Sprache, deutsche Literatur, Geschichte, Geografie, Handarbeit, Klavierspielen, Tanz und Malerei, sowie Religionsunterricht waren damals \u00fcbliche Bestandteile des Unterrichts f\u00fcr weibliche Adelige.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> So auch f\u00fcr Marie und ihre Schwester, die von privaten Erzieherinnen und Lehrern unterrichtet wurden. 1848, im Alter von 18 Jahren, heiratete Marie ihren 15 Jahre \u00e4lteren Vetter Moritz von Ebner-Eschenbach, der als Professor f\u00fcr Physik und Chemie an der Wiener Ingenieur-Akademie t\u00e4tig war und der die schriftstellerische T\u00e4tigkeit seiner Frau unterst\u00fctzte. Ihre Ehe blieb kinderlos. Als Marie von Ebner-Eschenbach am 12. M\u00e4rz 1916 starb, war sie eine gefeierte Schriftstellerin, und sie z\u00e4hlt bis heute zu den bedeutendsten Erz\u00e4hlerinnen \u00d6sterreichs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Carmen Sylva<\/strong> ist der Schriftstellername der ersten K\u00f6nigin von Rum\u00e4nien, geborene Prinzessin Elisabeth zu Wied. Sie wurde am 29. Dezember 1843 in Schloss Neuwied geboren, als erstes Kind des F\u00fcrsten Hermann zu Wied und seiner Frau Marie geborene Prinzessin von Nassau. 1845 kam ihr Bruder, Erbprinz Wilhelm, zur Welt. 1850 folgte der j\u00fcngste Bruder, Otto, der mit einer K\u00f6perbehinderung geboren wurde und im Alter von 11 Jahren starb. Aufgrund der Komplikationen bei der Geburt des dritten Kindes, war auch die Mutter Elisabeths jahrelang krank, so dass die Familie wegen \u00e4rztlicher Untersuchungen und Behandlung zeitweise in Bonn und in Paris wohnte. Elisabeth zu Wied erinnert sich \u00fcber ihre Erziehung und die ihrer Br\u00fcder im elterlichen F\u00fcrstenhaus: nach der Geburt wurde jedes Kind zun\u00e4chst von einer Amme gestillt, danach bekam jedes Kind eine Gouvernante. Franz\u00f6sisch, Englisch und Deutsch lernten die Kinder bereits in den ersten Kinderjahren, die Jungen erhielten \u00fcblicherweise durch Privatlehrer Sprachunterricht in Griechisch und Latein. Auch die sprachbegabte Elisabeth hat hierin Gl\u00fcck, denn sie durfte an dem Lateinunterricht des Bruders teilnehmen: \u201e<em>Es war mehr um meinen Bruder zu ermuntern und anzuspornen, aber ich hatte au\u00dferordentlichen Genuss davon. Hier kam mein eigentliches Talent zutage.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> W\u00e4hrend des Paris-Aufenthaltes der F\u00fcrstenfamilie 1853-1854 besuchte Prinzessin Elisabeth einen Kurs, der nach der Methode des Abb\u00e9 Gaultier<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> den Wissensstoff spielerisch und im Wettbewerb der Kinder untereinander vermittelte. Zur\u00fcck in Neuwied erhielt die Tochter Privatunterricht durch verschiedene Lehrer und in mehreren, auch naturwissenschaftlichen F\u00e4chern, was f\u00fcr die damalige M\u00e4dchenerziehung un\u00fcblich war. Auch die Eltern Elisabeths beteiligten sich intensiv an der Erziehung ihrer Tochter. Der Vater unterrichtete Elisabeth in Philosophie, die Mutter bereitete f\u00fcr den Geschichtsunterricht \u201esynchronistische Tabellen\u201c f\u00fcr die Tochter vor, und beide Eltern bereiteten f\u00fcr ihre Kinder den Religionsunterricht vor. Die Mutter las den Kindern deutsche und englische Klassikerliteratur vor, und sonntags nach dem Fr\u00fchst\u00fcck war in der F\u00fcrstenfamilie Brauch, dass die Kinder selbst ausgesuchte Gedichte auf Deutsch, Franz\u00f6sisch oder Englisch vortrugen. Dar\u00fcber hinaus erw\u00e4hnt Elisabeth in ihren Kindheitserinnerungen den f\u00fcr adelige T\u00f6chter \u00fcblichen Klavierunterricht und die Reitstunden, des Weiteren, dass sie auch Unterricht in Haushaltung bekam und dass alle drei F\u00fcrstenkinder auch Einblick in Handwerksarbeit (zum Beispiel lernten sie bei einem Buchbinder selbst B\u00fccher zu binden) und in die Landwirtschaft (die Geschwister hatten ein G\u00e4rtchen, dass sie pflegten) erhielten. Nach dem Tod des j\u00fcngsten Bruders 1862 folgten f\u00fcr Elisabeth Aufenthalte am preu\u00dfischen Hof in Berlin, in Petersburg und in Moskau bei ihrer Patentante Gro\u00dff\u00fcrstin Helene von Russland. Auch die Jahre nach dem Tod des F\u00fcrsten Hermann 1864 waren von mehreren Reisen Elisabeths, meist mit ihrer Patentante, gepr\u00e4gt: nach Schweden, wo sie ihre Verwandten am k\u00f6niglichen Hof besuchte (ihre Tante m\u00fctterlicherseits war K\u00f6nigin Sophie von Schweden), sowie nach Italien und Frankreich (Paris).<\/p>\n<p>Im Jahr 1869 heiratete die evangelische Prinzessin Elisabeth den katholischen Prinzen Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, der seit 1866 zum F\u00fcrsten von Rum\u00e4nien, einem orthodoxen Land, gew\u00e4hlt worden war, einem orthodoxen Land. Das einzige Kind des F\u00fcrstenpaares, Prinzessin Marie (1870-1874), starb im Kindesalter infolge einer Diphtherieerkrankung. Nach dem russisch-t\u00fcrkischen Krieg, der f\u00fcr Rum\u00e4nien zugleich zum Unabh\u00e4ngigkeitskrieg 1877-1878 wurde, erhob man Rum\u00e4nien zum K\u00f6nigreich. Das K\u00f6nigspaar blieb jedoch weiter kinderlos, was vor allem f\u00fcr die F\u00fcrstin jahrelang eine gro\u00dfe Unzufriedenheit und Sorge war, da ein Erbe die Stabilit\u00e4t der jungen Dynastie bedeutet h\u00e4tte und einzelne Minister offen eine Scheidung und Neuverm\u00e4hlung des K\u00f6nigs verlangten. Um ihre Stellung bei Hofe zu verbessern, versuchte K\u00f6nigin Elisabeth ihre Rolle zum Nutzen des Landes neu zu definieren und setzte sich verst\u00e4rkt f\u00fcr Wohlt\u00e4tigkeit, F\u00f6rderung der Hausindustrie und F\u00f6rderung von Kultur und Bildung ein. Des Weiteren versuchte sie auch im Ausland durch \u00dcbersetzungen rum\u00e4nischer Dichtungen auf das neue K\u00f6nigreich aufmerksam zu machen. 1880 w\u00e4hlte sie den K\u00fcnstlernamen Carmen Sylva (Waldlied) unter dem sie fortan als Schriftstellerin und Dichterin auf dem Thron weltweit bekannt wurde und f\u00fcr deren Werke, mit denen sie das neue K\u00f6nigreich Rum\u00e4nien im Ausland bekannt machte, zu Lebzeiten Anerkennung fand. Carmen Sylva starb am 2. M\u00e4rz 1916 in Bukarest, zwei Jahre nach dem Tod ihres Gemahls K\u00f6nig Carol I. von Rum\u00e4nien, und wurde in der K\u00f6nigskapelle in Curtea de Arge\u015f bestattet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lily Braun<\/strong> sah am 2. Juli 1865 als Amalie von Kretschmar in Halberstadt das Licht der Welt. Sie stammte aus dem preu\u00dfisch-protestantischen Adel: ihr Vater war General Hans von Kretschmar und die Mutter Jenny, eine geborene von Gustedt. Die Gro\u00dfmutter m\u00fctterlicherseits, Jenny von Gustedt geborene Rabe von Pappenheim war die uneheliche Tochter des J\u00e9r\u00f4me Bonaparte mit Diana von Rabe von Pappenheim. Auch Lily Brauns Gro\u00dfmutter wird in den Erinnerungen an ihre Kindheit erw\u00e4hnt und ist eine wichtige Person im Leben der Schriftstellerin. Jenny von Gustedt war in Weimar aufgewachsen, z\u00e4hlte zum Freundeskreis Johann Wolfgang von Goethes, und sie ermutigte ihre Enkelin Lily Braun, sich literarisch und politisch zu engagieren. Ihre Schriften und Tageb\u00fccher vermachte sie der Enkelin, die diese im Jahr 1892 unter dem Namen Lilly von Kretschman herausgab: \u201eAus Goethes Freundeskreis. Erinnerungen der Baronin Jenny von Gustedt\u201c (die 3. Ausgabe erschien 1908 unter dem Titel: \u201eIm Schatten der Titanen\u201c diesmal unter dem Herausgebernamen Lily Braun).<\/p>\n<p>Die Kindheit und Jugend der Amalie von Kretschmar war einerseits von milit\u00e4rischer Disziplin und Strenge gepr\u00e4gt, andererseits genoss die junge Adelige alle Vorz\u00fcge ihrer <em>\u201ePosition in der Gesellschaft\u201c<\/em><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>: \u00a0in der Kindheit in Berlin nahm sie an den <em>\u201eKindergesellschaften bei den &#8218;Kronprinzens&#8217;\u201c<\/em><a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> teil, wo sie den sp\u00e4teren Kaiser Wilhelm II. kennenlernte, und in der Jugend genoss sie die Tanzgesellschaften und den Glanz der gro\u00dfen Feste. Der Einsatz des Vaters in unterschiedlichen Garnisonen bewirkte, dass die Familie mehrmals umziehen musste. In der fr\u00fchen Kindheit war f\u00fcr die Tochter eine Gouvernante eingestellt, sp\u00e4ter erhielt sie Privatunterricht sowie Unterricht in Privatschulen. Doch das Erziehungsziel war auch im Fall der adeligen Amalie von Kretschmar nicht, eine Ausbildung zu erlangen. Die Tochter wurde mit dem Ziel erzogen, den st\u00e4ndischen Anforderungen der gesicherten \u201ePosition in der Gesellschaft\u201c zu gen\u00fcgen, die durch eine passende Partnerwahl, Heirat und M\u00fctterlichkeit ihre Erf\u00fcllung finden sollte.\u00a0 <em>\u201eSich beherrschen, sich unterwerfen war die Quintessenz meiner \u2013 und aller \u2013 Erziehung gewesen.\u201c<\/em><a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a>, schreibt Lily Braun in ihren Memoiren, und sie wehrte sich wiederholt gegen die Vorstellung, dass sie im Normalfall nur die Laufbahn: <em>\u201eDu wirst Weib werden und Mutter\u201c<\/em><a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> und im Alternativfall, als Unverheiratete, das Dienen als <em>\u201e<\/em><em>Gesellschafterin \u2013 Gouvernante \u2013 Hofdame\u201c<\/em><a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a>zu erwarten hatte. Erst als ihr Vater pensioniert wurde und die Familie die privilegierte Stellung in der adeligen Gesellschaft verlor, \u00e4nderte sich diese \u201esichere\u201c Perspektive. Die Tochter nahm die Ver\u00e4nderung als Chance wahr, sich eine eigenst\u00e4ndige Existenz au\u00dferhalb der adeligen Gesellschaft aufzubauen. Sie wurde als Schriftstellerin erwerbst\u00e4tig, heiratete 1893 den Sozialdemokraten und Philosophieprofessor Georg von Gizycki und begann, sich verst\u00e4rkt der Frauenbewegung zu widmen. Nach dem Tod ihres Ehemannes heiratete sie den sozialdemokratischen Politiker und Publizisten Heinrich Braun, mit dem sie einen Sohn hatte. Das Ehepaar Braun war Herausgeber der Wochenschrift \u201eDie neue Gesellschaft\u201c, die sich als Organ der Partei verstand. Lily Braun starb am 9. August 1916 in Berlin. Sie gilt als eine der wichtigen deutschen Frauenrechtlerinnen und Sozialdemokratinnen ihrer Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gemeinsam ist den drei Schriftstellerinnen, dass sie aus adeligen Familien stammen und dass sich in ihren Erinnerungen \u00c4hnlichkeiten in ihrer Erziehung auf eine bestimmte soziale Position und Frauenrolle hin finden (je nach Lebensbereich des Adelstandes, Landsitz, Garnison oder Hof, das Frauenbild der Gutsfrau, Offiziersfrau oder Hofdame).<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> Des Weiteren ist den drei adeligen Frauen gemeinsam, dass sie ihr dichterisches Talent bereits in der Kindheit entdecken, es in ihren Kindheitserinnerungen wiederholt thematisieren und die Haltung der Familienmitglieder dazu schildern, die sehr unterschiedlich ist: von dem Stolz dar\u00fcber und die Ermutigung, bei den Familienfesten mit Dichtungen beizutragen, \u00fcber das Misstrauen gegen\u00fcber der Ver\u00f6ffentlichung f\u00fcr weitere Leserkreise der b\u00fcrgerlichen Presse und des Buchhandels bis zur absoluten Ablehnung, aus Furcht, der Familienname k\u00f6nnte durch die Kritik in der \u00d6ffentlichkeit kompromittiert werden.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> Somit haben wir es bei Carmen Sylva, Marie von Ebner-Eschenbach und Lily Braun einerseits mit Erinnerungen adeliger Frauen zu tun, die den b\u00fcrgerlichen Leserkreisen Einblick in eine exklusive Lebenswelt gew\u00e4hren. Andererseits handelt es sich zugleich um Dichterinnenbiografien von Frauen adeliger Herkunft und Bildung: die drei Autorinnen thematisieren in ihren Alterserinnerungen an die Kindheit und Jugend biographische Konflikte die sich in der Familie gegen\u00fcber ihrem dichterischen Talent ergeben haben und die ihre individuelle dichterische Laufbahn sp\u00e4ter gepr\u00e4gt haben. Die Vorstellungen der T\u00f6chter von einer individuellen Selbstentfaltung und von eigener k\u00fcnstlerischer \u00c4u\u00dferung spren\u00adgen den akzeptierten Rahmen der vorgegebenen Rollen f\u00fcr adelige Frauen in der Geschlechterkette der Familie. Das Merkmal Geschlecht als diskriminierende Komponente wird von allen Autorinnen\u00a0 in der Erziehung und hinsichtlich des Frauenschicksals zwar thematisiert, ist jedoch im Hinblick auf den Berufswunsch Schriftsteller zu relativieren, da m\u00e4nnliche Adelige hierin genauso wenig Entscheidungsfreiheit hatten.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Auch verliert die Geschlechtskomponente bei den drei Autorinnen an Gewicht, da sie durch ihre Wahl von adeligen Ehepartnern, die ihre dichterische T\u00e4tigkeit akzeptieren und f\u00f6rdern, ihre schriftstellerische T\u00e4tigkeit nicht per se aufgeben m\u00fcssen. Der Kampf um Selbstbestimmung \u00fcber das eigene Schicksal endet somit siegreich und teilweise auch mit den Vorstellungen der Familie vers\u00f6hnlich, wie bei Ebner-Eschenbach und Carmen Sylva, oder aber mit dem Bruch von der Herkunftsfamilie, wie bei Lily Braun, wobei sie auch nicht im Alleingang, sondern gemeinsam mit dem Ehepartner einen neuen Weg geht.<\/p>\n<p>Betrachten wir die biografischen Konflikte der drei Autorinnen n\u00e4her, ergeben sich, bei aller Ausdifferenzierung der Lebensumst\u00e4nde und unterschiedlicher Auspr\u00e4gung der Schicksalsschl\u00e4ge in der Familie, auffallende Gemeinsamkeiten in dem stark emotionalen Gehalt der Erinnerungsbilder, die f\u00fcr die Autorinnen auch im Alter an Intensit\u00e4t nicht verloren haben. Folgende Aspekte der Kindheit und Jugend sind besonders pr\u00e4gend und auch im R\u00fcckblick stark emotional geladen: die fr\u00fcheste Kindheit, die T\u00f6chtererziehung, das Mutterbild, das Frauenschicksal und das eigene Dichten. Und nicht zuletzt, wird in allen drei Erinnerungsb\u00e4nden dem sp\u00e4teren Ehepartner die Bedeutung als Seelenverwandter und Mentor der schriftstellerischen T\u00e4tigkeit der Autorinnen einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beweggr\u00fcnde zur Ver\u00f6ffentlichung der Memoiren<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle drei Autorinnen beginnen ihre Erinnerungen, die um dieselbe Zeit erscheinen (1906, 1908 und 1909), in gleicher Weise, indem sie im Vorwort erkl\u00e4ren, warum sie ihre Erinnerungen an die Kindheit und Jugend im adeligen Elternhause niederschreiben und einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit bekannt geben wollen. Der am Anfang erw\u00e4hnte Reminiszenzeffekt wird von Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Vorwort von 1905 aus Rom anschaulich beschrieben:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eMeine Erinnerungen an die Kinderzeit, meinte ich damals, sind nicht besonders lebhaft, und erfahre nun, da\u00df sie, um es zu sein, nur geweckt zu werden brauchten. Es unterblieb zu jener Zeit; denn so alt ich schon war, lag doch noch etwas wie Zukunft vor mir, und auf sie, nicht zur\u00fcck zur Vergangenheit, lenkten sich meine Gedanken. Nun stehe ich am Ziel, der Ring des Lebens schlie\u00dft, Anfang und Ende ber\u00fchren sich. Mit einer Macht des Erinnerns, die nur das hohe Alter<\/em><a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a><em> kennt, lebt die Kindheit vor mir auf.\u201c <\/em><a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiter erw\u00e4hnt Ebner-Eschenbach, dass sie die Menschen und den <em>\u201eEindruck, den sie hinterlassen haben\u201c<\/em>, so schildern m\u00f6chte, wie ihr <em>\u201eKindergem\u00fct\u201c<\/em> sie erfahren hatte.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> \u00c4hnlich formuliert es auch Carmen Sylva<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a>, die, auf Goethes \u201eDichtung und Wahrheit\u201c<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a> verweisend, im Vorwort zu ihrem Band \u201eMein Penatenwinkel\u201c (1908) erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eNicht Wahrheit und Dichtung will ich hier schreiben, sondern kindlich lautere Wahrheit, nur was ich selbst gesehen und geh\u00f6rt.\u201c<\/em><a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Lily Braun, die ihre Memoiren einen \u201eRoman\u201c bezeichnet, greift auf einen Goetheschen Titel zur\u00fcck, dem K\u00fcnstler-Bildungsroman \u201eWilhelm Meisters Lehrjahre. Ein Roman\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a>, um ihren pers\u00f6nlichen Werdegang zu schildern. Sie ist die Einzige, die ihre Lebensgeschichte ausdr\u00fccklich einem Familienmitglied widmet: <em>\u201eAn meinen Sohn\u201c<\/em>. So liegt die Vermutung nahe, dass f\u00fcr Lily Braun der Geburtstag ihres Sohnes der Ausl\u00f6ser eines \u201eHeimweh\u201c-Effekts nach ihrer Kindheit und Jugend gewesen sein k\u00f6nnte und dass der elfj\u00e4hrige Sohn sie pl\u00f6tzlich an ihre eigene Kindheit und Jugend erinnerten. Vielmehr scheint dieser Zeitpunkt nur ein Vorwand zu sein, den Lily Braun stilistisch im Vorwort zu \u201eihrem Entwicklungsroman\u201c einbaut, um ihren Ausbruch aus der adeligen in eine b\u00fcrgerliche Welt zu erkl\u00e4ren, ihre Selbstverwirklichung als sozialdemokratisch engagierte Frau in der \u00d6ffentlichkeit zu demonstrieren und sich als ein Beispiel f\u00fcr den selbsterw\u00e4hlten weiblichen Werdegang zu stilisieren. Obwohl sie im Vorwort vordergr\u00fcndig ihrem Sohn ihren, von der \u201eNormalbiografie\u201c<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a> einer Adeligen abweichenden Lebensweg erkl\u00e4ren will, sind die Memoiren Lily Brauns sicher mit Blick auf die Nachwelt verfasst und ver\u00f6ffentlicht worden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eDie Menschen z\u00fcrnen mir, und alle nennen mich fahnenfl\u00fcchtig, die irgendwann auf der Lebensreise ein St\u00fcck Weges mit mir gingen; mir aber erscheinen sie als die Ungetreuen. Wer hat recht von uns: sie oder ich? Um die Antwort zu finden, will ich den letzten Wurzeln meines Daseins nachsp\u00fcren, wie seinen \u00e4u\u00dfersten Ver\u00e4stelungen; und an dich, mein Sohn, will ich denken dabei, auf da\u00df du, zum Manne gereift, deine Mutter verstehen m\u00f6gest.\u201c<\/em><a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anders als die Ebner-Eschenbach und Lily Braun, ist f\u00fcr Carmen Sylva auch ihr h\u00f6herer Bekanntheitsgrad aufgrund ihrer sozialen Position als K\u00f6nigin von Rum\u00e4nien ein Grund f\u00fcr ihre ver\u00f6ffentlichten Erinnerungen, um ihren Werdegang und die Pr\u00e4gung im Elternhause aus der eigenen Sicht zu erz\u00e4hlen. Das gr\u00f6\u00dfere \u00f6ffentliche Interesse an ihrem Leben und die bereits zu Lebzeiten erschienenen Biografien \u00fcber sie, verleiten sie zu der Feststellung, dass \u201esoviel Unsinn\u201c \u00fcber sie geschrieben worden sei, dass sie sich verpflichtet f\u00fchlte, das Bild \u00fcber sich zu korrigieren. Mehr noch, Carmen Sylva will der \u00d6ffentlichkeit die Wahrheit \u00fcber ihr Leben schreiben, denn aus ihrer Sicht sei ihr Leben viel schwerer gewesen, als sich viele vorstellen k\u00f6nnen, die es in einem \u201eangenehmen Licht\u201c erscheinen lassen wollten.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a> \u00dcber das Konzept ihres \u201ePenantenwinkels\u201c schreibt Carmen Sylva ausf\u00fchrlich in einem Brief vom 15. April 1903 an Else von Arnim Gr\u00e4fin von dem Busche-Ippenburg:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch bin nun an einem Werke der Piet\u00e4t, an dem ich gro\u00dfe Freude habe, ich nenne es &#8218;Mein Penatenwinkel<em>&#8218;<\/em>. Darin will ich von allen Menschen erz\u00e4hlen, die ich von fr\u00fcher Jugend auf gekannt habe, und da in meinem Alter der Kirchhof weit bev\u00f6lkerter ist als die umgebende Welt, so wird es ein dickes Buch. Und so wird man endlich \u00fcber mich die Wahrheit lesen. Ich bin kaum an meinem zw\u00f6lften Jahr, und es hat schon hundertf\u00fcnfzig Druckseiten! Ich habe viel mehr Menschen verehrt und geliebt, als man es wei\u00df, und es ist sch\u00f6n, sein eigenes Leben an solchen Meilensteinen abzuz\u00e4hlen, die andern gar nicht einmal erw\u00e4hnend. Ich hatte bis jetzt immer gez\u00f6gert, mein Leben zu schreiben, da ich nur die einfachste Wahrheit schreiben wollte und keine Indiskretion begehen und keine Anklage erheben. Nun habe ich die Form gefunden! Im &#8218;Penatenwinkel&#8216; stehen ja nur G\u00f6tter, da kann also niemand hinein, der nicht schon gestorben ist, wie ich also mich vor jeglicher Indiskretion bewahren kann und vollkommen wahr, ohne von irgend jemand zu sprechen, der es nicht verdient. Wohl mir! Ich habe so unendlich viele und seltene und ausgezeichnete Menschen gekannt, dass ich sehr reich bin und ein Buch der Anbetung und der Dankbarkeit das Resultat meines schweren Lebens sein soll. Ist das nicht sch\u00f6n, liebe Else? Lauter Liebe! Ich habe damit angefangen zu sagen, dass es nicht &#8218;Wahrheit und Dichtung&#8216; sein wird, sondern lauter Wahrheit, was ich bei meinem Riesenged\u00e4chtnis versprechen kann, und dass weder Geheimnisse enth\u00fcllt noch Skandale erz\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Nun schildere ich oft sehr ungen\u00fcgend, weil ich doch manche Menschen nur in so fr\u00fcher Kindheit gekannt habe, dass sich nicht viel mehr wie ihre \u00e4u\u00dfere Erscheinung bei mir eingepr\u00e4gt hat. Solche wie Ernst Moritz Arndt kann ich genau beschreiben, da ich stundenlang auf seinem Scho\u00dfe gesessen habe, aber den Gelehrten Bernays konnte ich nur in Umrissen schildern. Ihren lieben Vater hoffe ich recht \u00e4hnlich zu zeichnen, wenn ich auch nicht so wie ein erwachsener Mensch ihn gesehen h\u00e4tte. Doch konnte ich seinen Geistesreichtum sehr genie\u00dfen, war ihm dankbar f\u00fcr seine G\u00fcte und freute mich \u00fcber seine liebensw\u00fcrdigen Neckereien. Es ist als w\u00e4re alles gegenw\u00e4rtig, als lebte ich alles noch einmal, als vers\u00e4nke die Gegenwart ganz, und das ist das Sch\u00f6ne von der Vergangenheit, dass die Bitterkeit des Leides verschwindet, dass sie heller wird und immer heller, je weiter man zur\u00fccktreten kann. Wenn man wei\u00dfe Haare hat, lebt man \u00fcberhaupt lieber in der Vergangenheit als in der Gegenwart, dann wird der &#8218;Penatenwinkel&#8216; der liebste Aufenthalt, ja, er wird gr\u00f6\u00dfer wie das ganze Haus und nimmt mehr Raum ein als alles, was einen sonst umgibt. Es ist eigentlich kein Winkel, sondern eine ganze Kathedrale! Aber wo bliebe man lieber als im Herzensdome, wenn das Leben immer leerer wird und die Lieben, verkl\u00e4rt, aus scheinbarer Ferne (vielleicht aber uns viel n\u00e4her) einen ansehen? Der gro\u00dfe Friede, von dem ich immer das sechzigste Jahr begleitet sah, nun ist er wirklich da! Mein Leben lang habe ich mir gew\u00fcnscht, sechzig Jahre alt zu sein, und nun finde ich es viel sch\u00f6ner, als ich es mir gedacht! Denn ich dachte nat\u00fcrlich nicht, wie reich die Erinnerungen sein w\u00fcrden und wie zahlreich die Verehrten und Geliebten! Der dunkle Lebensweg, nun wird er klar und das Warum so vieler Dinge hat sich jetzt schon enth\u00fcllt. Wir, die wir den Tod nur f\u00fcr eine Vervollkommnung und Herrlichkeit ansehen, folgen so oft (in Gedanken) unseren Teuersten in das Jenseits, dass die Himmelst\u00fcr immer ein klein bi\u00dfchen weiter aufbleibt und uns immer mehr Einblick gew\u00e4hrt in das Licht und die Herrlichkeit. Die Tragik der Ereignisse wird dadurch auch sehr verringert, dass sie kleiner erscheinen in der Proportion, wenn man mehr an den Himmel denkt als an die Erde. Jedenfalls glaubt man Gottes F\u00fchrung besser zu verstehen als fr\u00fcher, wo man noch so uns\u00e4glich litt. Sie werden sehen, mein Buch wird vielen lieb werden, es ist nicht einmal viel Stil darin, ich erz\u00e4hle es, wie ich im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlen w\u00fcrde, was mir gerade einf\u00e4llt, und statt Kapitel stehen die lieben Namen, die das Kapitel veranlassen, obenan.\u201c<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die fr\u00fcheste Kindheit <\/strong><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><strong>Die T\u00f6chtererziehung <\/strong><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><strong>Das Mutterbild <\/strong><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><strong>Das Frauenschicksal <\/strong><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><strong>Das eigene Dichten <\/strong><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><strong>Der Ehepartner als Seelenverwandter und Mentor<\/strong><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den im Anfang erw\u00e4hnten \u201eReminiszenzeffekt\u201c zur\u00fcckkommend, so weist die R\u00fcckkehr der Erinnerungen aller drei Autorinnen an ihre Kindheit auch schmerzliche Erfahrungen, die sie emotional hervorheben, um damit ihren Kampf um die eigene Gl\u00fccksvorstellung auf dem Hintergrund der Rollenvorgaben die ihnen als Glied in der Geschlechterkette der adeligen Familie zur Verf\u00fcgung stehen, zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>\u201eEs ist als w\u00e4re alles gegenw\u00e4rtig, als lebte ich alles noch einmal\u201c, hatte Carmen Sylva an ihre Freundin \u00fcber das Konzept ihres \u201ePenatenwinkels\u201c geschrieben, doch t\u00e4uschte sie sich selbst, als sie meinte, \u201edass die Bitterkeit des Leides verschwindet, dass sie heller wird und immer heller, je weiter man zur\u00fccktreten kann.\u201c<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a> Von allen Beispielen an Erziehungsstrenge und Intensit\u00e4t des Unterrichts scheinen die von Carmen Sylva geschilderten Strafen in der Kindheit die drakonischsten und ihr Lernpensum der anstrengendste gewesen zu sein. Und so muss man den Biografen Carmen Sylvas Recht geben, dass der Eindruck entsteht, ihre Kindheit sei keine fr\u00f6hliche sondern eine eher d\u00fcstere gewesen, in der sie sich immerfort eingeengt und vor allem einsam gef\u00fchlt habe, und dass sie sich um eine fr\u00f6hliche und ausgelassene Kindheit betrogen f\u00fchlte.<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a> Allerdings f\u00e4llt bei Carmen Sylva, im Vergleich zu Ebner-Eschenbach und Lily Braun auf, dass sie die extremen Erfahrungen der Kindheit st\u00e4rker betont und dass sie das Leid wiederholt in ihren Erinnerungen wie ein individuelles Schicksalsmotiv behandelt. Nicht nur, dass Carmen Sylva keine gl\u00fcckliche Familie beschreibt, sondern sie scheint die leidvollen Erfahrungen im famili\u00e4ren Umfeld intensiver hervorzuheben als dies zum Beispiel bei Ebner-Eschenbach der Fall ist. Denn obwohl Ebner-Eschenbachs Mutter bei ihrer Geburt starb, sie auch die erste Stiefmutter verliert und erst mit der zweiten Stiefmutter die Familie l\u00e4ngere Zeit gesund vereint lebt, konzentriert sich Ebner-Eschenbach nicht so sehr auf die Leiden und das \u201eSchlachtfeld im Kinderbett\u201c<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a>, das f\u00fcr die Frauen in jener Zeit eine wiederholte und ernste Gefahr darstellte.<\/p>\n<p>Carmen Sylva widergibt biografische Skizzen und Denkw\u00fcrdigkeiten, die sie einzelnen Personen aus ihrer Kindheit und Jugend widmet, vor dem Hintergrund der langj\u00e4hrigen Krankheit ihrer Eltern, der k\u00f6rperlichen Behinderung des j\u00fcngsten Bruders Otto und ihres damit verbundenen Gef\u00fchls der Schwermut. Als einzige Gesunde unter den Kranken in ihrer Familie sieht sich Carmen Sylva als Kind und f\u00fchlt sich als Jugendliche einsam, doch das so erinnerte Einsamkeitsbild stimmt bei genauer Betrachtung nur zum Teil. Denn zugleich zeigt Carmen Sylva ihre Eltern sehr interessiert an ihrer Erziehung, beide k\u00fcmmern sich auch pers\u00f6nlich um die Bildung ihrer Tochter und unterrichten sie auch selbst beziehungsweise bereiten ihr entsprechendes Unterrichtsmaterial vor.<\/p>\n<p>Lily Braun dagegen lenkt ihren Blick von der Kindheit, die weniger dramatische Szenen enth\u00e4lt, vielmehr auf ihre Jugendzeit, in der sich ihr eigener biografischer Konflikt als Selbstverwirklichungsdrang im Kampf gegen tradierte Frauenrollen abspielt. Ihr soziales Interesse, infolgedessen sie sich der Sozialdemokratie anschlie\u00dft, entfremdet sie immer mehr von der adeligen Denkweise und von ihren Eltern, so dass sie, um ihrem selbstgew\u00e4hlten Lebensweg zu folgen, dies schlie\u00dflich nur \u00fcber den Bruch mit ihrer Herkunftsfamilie realisieren kann.<\/p>\n<p>Einzig Marie von Ebner-Eschenbach besch\u00e4ftigt haupts\u00e4chlich der biografische Konflikt in der Kindheit in Bezug auf ihre dichterische Leidenschaft und die Kr\u00e4nkung der unerkl\u00e4rten Ablehnungshaltung ihrer liebsten Bezugspersonen in ihrer Familie. Ihr dichterisches Talent, dem in der adeligen Gesellschaft durchaus Einsatzgelegenheit und standesgem\u00e4\u00dfes Genie\u00dfen in Geselligkeitsformen m\u00f6glich war, wird insofern abgelehnt, als sie selbst produktiv sein will. Damit strebt sie eine solit\u00e4re Besch\u00e4ftigung \u00fcber eine Liebhaberei hinaus an, die mit einem R\u00fcckzug aus der Gesellschaft zusammenh\u00e4ngt, w\u00e4hrend \u00fcblicherweise Kunst in der Unterhaltung dienen sollte und \u201estandesgem\u00e4\u00df\u201c gemeinsam konsumiert wurde.<\/p>\n<p>Bei allen emanzipatorischen Elementen, selbst\u00e4ndigen Entfaltungsvorstellungen sowie Skepsis vor der Ehe, die insbesondere von Lily Braun und Carmen Sylva in den Erinnerungen ge\u00e4u\u00dfert werden, wird das Beenden des biografischen Konfliktes (die famili\u00e4re Ablehnungshaltung zur nicht standesgem\u00e4\u00dfen Dichtert\u00e4tigkeit) nicht im Alleingang gel\u00f6st, sondern gelingt erst durch eine Partnerschaft, die dieser f\u00f6rderlich ist (die vom Ehepartner akzeptierte und gef\u00f6rderte schriftstellerische T\u00e4tigkeit). So gelingt schlie\u00dflich der erinnerte Kindheitswunsch der Selbstverwirklichung f\u00fcr alle drei Schriftstellerinnen in einer neuen Familienkonstellation, an der Seite eines Ehepartners. Nach den dramatischen K\u00e4mpfen und schmerzlichen Kr\u00e4nkungen, die die pl\u00f6tzliche Erinnerung an die Kindheit die Autorinnen emotional ein zweites Mal erleben lie\u00df, scheint der \u00dcbergang in das Erwachsenenalter fast wie ein Happy-End mit m\u00e4rchenhafter Erl\u00f6sung durch einen Prinzen: der weitere Lebensabschnitt setzt sich an der Seite eines Seelenverwandten fort, der aus der Herkunftsfamilie hinausf\u00fchrt, und von dem sich die Ehepartnerinnen auch in ihrer schriftstellerischen T\u00e4tigkeit akzeptiert und verstanden f\u00fchlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lesen Sie den gesamten Beitrag in dem Buch:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/carmensylva-elisabeth-wied-kindheitserinnerungen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-102\" src=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/carmensylva-elisabeth-wied-kindheitserinnerungen-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/carmensylva-elisabeth-wied-kindheitserinnerungen-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/carmensylva-elisabeth-wied-kindheitserinnerungen-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Silvia Irina Zimmermann und Bernd Willscheid (Hg.): <strong>Heimweh ist Jugendweh. Kindheits- und Jugenderinnerungen der Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva).<\/strong> Mit einem Vorwort I.D. Isabelle F\u00fcrstin zu Wied. [Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva &#8211; F\u00fcrstlich Wiedisches Archiv, Band 4], Stuttgart: ibidem-Verlag, 335 S., 2016, ISBN: 978-3-8382-0814-5.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sizimmermann.de\/buch\/kindheitserinnerungen.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.sizimmermann.de\/buch\/kindheitserinnerungen.htm<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bemerkungen:<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Drouwe Draaisma: Die Heimwehfabrik. Wie das Ged\u00e4chtnis im Alter funktioniert. Aus dem Niederl\u00e4ndischen von Verena Kiefer, Berlin: Verlag Galiani, 2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Ebd., S. 11-12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Ab 1867 Kaiserreich \u00d6sterreich-Ungarn, nach 1918 wurde M\u00e4hren zum Teil des neu gegr\u00fcndeten Staates Tschechoslowakei, seit 1993 geh\u00f6rt es zur Tschechischen Republik.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Walter Demel und Sylvia Schraut: <em>Der deutsche Adel. Lebensformen und Geschichte<\/em>, M\u00fcnchen: C.H. Beck, 2014, Kapitel: Adelige Erziehung und Ausbildung, S. 56-63.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Carmen Sylva: <em>Mein Penatenwinkel<\/em>, S. 259.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Die Lehrmethode des Kurses folgte dem \u201ejeux instructif\u201c des Louis [abb\u00e9] Gaultier (1746-1818).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Lily Braun: <em>Memoiren<\/em> <em>einer Sozialistin. Lehrjahre<\/em>, S. 66.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Ebd., S. 66.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Ebd., S. 216.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Ebd., S. 215.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Ebd., S. 373.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Die adeligen Lebenswelten auf dem Lande oder am Hofe waren nicht v\u00f6llig getrennt voneinander und f\u00fcr die Rollenvorgaben an die Frauen gab es auch \u00dcberschneidungen, da adelige Frauen von Lande auch an den H\u00f6fen verkehrten. Im Vergleich zu den Landadeligen, die vor allem praktische F\u00e4higkeiten aufweisen und das Gutshaus leiten sollten, erforderte das Leben am Hofe von einer h\u00f6fischen Dame eine gewisse Bildung, das Beherrschen der h\u00f6fischen Etikette und der franz\u00f6sischen Sprache. Dazu mehr in: Christa Diemel: <em>Adelige Frauen im b\u00fcrgerlichen Jahrhundert. Hofdamen, Stiftsdamen, Salondamen 1800-1870<\/em>, Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 1998, S. 15f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Adelige Frauen hatten im Grunde die besten Voraussetzungen f\u00fcr den Schriftstellerberuf, wenn sie Talent aufwiesen und die materielle Sicherheit gegeben war, so wie die Schriftstellerinnengeneration der Romantik und Biedermeier es bewiesen hatte. Dem gegen\u00fcber war die Akzeptanz innerhalb der Familie entscheidend, ob eine Frau die schriftstellerische T\u00e4tigkeit aus\u00fcben durfte und in welchem Ma\u00dfe. Dazu mehr in: Monika Kubrova: <em>Vom guten Leben. Adelige Frauen im 19. Jahrhundert<\/em>, Berlin: Akademie Verlag, 2011, im Kapitel: \u00dcber die Grenzen der Familie. Biographische Konflikte als Kampf um nonkonforme Lebensweisen in der Gemengelage sozialer Anerkennung, S. 223ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Siehe ebd., S. 223ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Marie von Ebner-Eschenbach ver\u00f6ffentlichte ihren Band \u201eMeine Kindheitsjahre\u201c (1906) im Alter von 76 Jahren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Ebner-Eschenbach: <em>Meine Kinderjahre<\/em>, Berlin: Verlag Gebr\u00fcder Paetel, 1906, S. 1-2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Ebd., S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Carmen Sylva beginnt die Erinnerungen um 1903 im Alter von 60 Jahren zu schreiben. Siehe in: Carmen Sylva (Queen Elisabeth of Romania). <em>Letters and poems<\/em>, with an introduction and notes by Henry Howard Harper, Boston: The Bibliophile Society, 1920, Bd. 2, S. 18-19. Bei der Erstausgabe von \u201eMein Penatenwinkel\u201c im Jahr 1908 ist Carmen Sylva 65 Jahre alt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Johann Wolfgang von Goethe: <em>Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit<\/em>, T\u00fcbingen: Cottaische Buchhandlung, 4 B\u00e4nde, 1811-1814.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Carmen Sylva: <em>Mein Penatenwinkel<\/em>, S. 3.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Johann Wolfgang von Goethe: <em>Wilhelm Meisters Lehrjahre. Ein Roman<\/em>, Berlin: Unger, 4 B\u00e4nde, 1795-1796.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Lily Braun bricht aus dem adeligen Lebensraum aus, indem sie sich der sozialdemokratischen Bewegung anschlie\u00dft. In ihren Memoiren zeigt sie dennoch, dass die Selbstrepr\u00e4sentation, Partizipation an Geselligkeit und auch dichterisches Talent innerhalb des adeligen Selbstrepr\u00e4sentationsraumes f\u00fcr die Frauen nicht nur m\u00f6glich sondern sogar gefordert und gef\u00f6rdert wurden. Dagegen weist sie auch auf die Grenzen des Wirkungsraumes der adeligen Tochter hin: das Mitwirken in b\u00fcrgerlichen Kreisen und die Ver\u00f6ffentlichung eigener literarischer Produktionen unter dem eigenen Namen finden keine Akzeptanz in der eigenen Familie. \u00dcber den \u201eRahmen Normalbiographie\u201c und den akzeptierten weiblichen Wirkungsr\u00e4umen in den Biographien adeliger Frauen: Monika Kubrova: <em>Vom guten Leben<\/em>, Kapitel: Von den M\u00f6glichkeiten der Familie: Normalbiographie und Selbstrepr\u00e4sentation in adelskonformen R\u00e4umen, S. 95-222.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> Lily Braun: <em>Memoiren einer Sozialistin. <\/em><em>Lehrjahre<\/em>, S. 3.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> \u201eThey have written so much stuff and nonsense about me, that really I feel obliged to rectify, if I don\u2019t want the legend to overgrow the grand, simple and heavy truth, which is always so much grander than the legend. Who would invent reality so terrible as it is, or so deep as it has cut, or so beautiful as it has modelled you! I wonder what people will think when they read that, and see what a difference between this and what even well-meaning people have written about me! It has been disgusting sometimes, and especially their trying to make my life appear in such a pleasant light, when it has been distinctly unpleasant, almost all through. It has been a stormy life [\u2026]. But a hard life it has been throughout. People will wonder that there are lives so hard from the first, and never seem to change. But yet there be unchanging love and gratefulness in heavy life too, and that is to be the guiding thread through that labyrinth of troubles. I don\u2019t even name those that have darkened it, but let the veil of silence fall over them and hide them from view. There was a great difficulty every time I tried to write my life, \u2013 I felt as if it was untrue, and if true, indiscreet! But so I begin by saying that there will be no scandal and no mysteries revealed in my book of unbounded thankfulness for all the good people I have met.\u201d Aus einem Brief Carmen Sylvas vom 27. M\u00e4rz 1903 an einem amerikanischen Freund, in: Carmen Sylva: <em>Letters and Poems<\/em>, Bd. 2, S. 18-19 und 24-25.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Marie von dem Busche: <em>Else von Arnim. Gr\u00e4fin von dem Busche als Gattin und Mutter<\/em>, Leipzig: Koehler &amp; Amelang,\u00a0 1930, S. 212-214.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> Siehe weiter oben zitierte Stelle aus: Marie von dem Busche: <em>Else von Arnim. Gr\u00e4fin von dem Busche als Gattin und Mutter<\/em>, Leipzig: Koehler &amp; Amelang,\u00a0 1930, S. 212f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> Vgl. Mite Kremnitz, <em>Carmen Sylva<\/em>, Leipzig: Haberland, 1903, S. 20-23. Eugen Wolbe: <em>Carmen Sylva. Der Lebensweg einer einsamen K\u00f6nigin<\/em>, Leipzig: Koehler &amp; Amelang, 1933, S. 11-31. Gabriel Badea-P\u0103un: <em>Carmen Sylva.<\/em> <em>K\u00f6nigin Elisabeth von Rum\u00e4nien \u2013 eine rheinische Prinzessin auf Rum\u00e4niens Thron<\/em>, Stuttgart: ibidem-Verlag, 2011, S. 23-32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> Kubrova: <em>Vom guten Leben<\/em>, S. 242.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Silvia Irina Zimmermann: Kindheit und Erziehung im Schloss Der Altersblick in den Erinnerungen von Carmen Sylva, Marie von Ebner-Eschenbach und Lily Braun. Zum 100. Todesjahr der Schriftstellerinnen 2016 (Auszug) &nbsp; Sich im Alter an die Kindheit zu erinnern sei wie Heimweh haben, behauptet der Ged\u00e4chtnisforscher Drouwe Draaisma, und offenbar liegt ein Zusammenhang zwischen dem Wunsch,&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":205,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,6],"tags":[],"class_list":["post-201","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-publikation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=201"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":208,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/201\/revisions\/208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sizimmermann.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}